Tag 2, 20. Juni 1964

Das Aufstehen ist wieder so angesetzt, daß wir vor den anderen Gruppen den Waschraum erreichen, jedoch kommt Herr Koop diesmal nicht zum Wecken, denn alle sind schon wach, einige sogar schon aus dem Bett, als er sein "Guten Morgen" erschallen läßt.

Da denkt man nun, man sei der Schule entronnen, doch ach - es ist ja eine Studienfahrt. Wir stellten es mit Bedauern daran fest, daß wir morgens noch früher als zu Hause aufstehen mußten, dafür aber konnten wir uns schon bald nach acht Uhr auf den Weg zum Bahnhof machen. Durch die Burkhardsche Wegabkürzung war das ja ein Kinderspiel mit einem einzigen Köfferchen und dann auch nur etwa zwei Kilometer... Einige andere, darunter auch unsere beiden Aufpasser, waren gewitzt bzw. wenn man den anderen Glauben schenken darf, feige geworden. Sie nahmen Platz in einem Bus und bezahlten 40 Pfg. für den Weg zum Bahnhof - für sich!

Für den Koffer jeweils noch einmal 40 Pfg. Wie freuten sich da die Tapferen, die zu Fuß marschiert waren. Wieder ein Bier weg. Am Bahnhof angelangt, verspürten einige das Bedürfnis, ein Telefonhäuschen aufzusuchen. Fünf Jungen befanden sich schließlich in der engen Telefonzelle. Angeregt durch diesen Spaß, stellte sich unser Kläuschen auf eine Waage und, siehe da, er hatte sehr zugenommen in letzter Zeit, denn mit einiger fremder Unterstützung wog er nun bereits 307 Pfund. Später ließ ich mir erzählen, man hätte es noch auf 309 Pfund gebracht.

Da kommt der Zug; einer findet bald Anschluß bei einer Norwegerin, die anderen essen noch schnell ein Würstchen auf deutscher Seite. Für lange Zeit das letzte Würstchen, denn auf dänischer Seite heißen diese Pølser. Schon bald gehört dieses Wort zu den meistgebrauchten Wörtern. Es ist fast der Schlachtruf unserer Gruppe. Sogar als wir später wieder in Deutschland sind, heißen Würstchen nur noch Pølser.

Von der Grenze nach Dänemark ist nichts zu sehen. Auch die Landschaft ändert sich kaum. Sucht man die Unterschiede, stellt man wohl nur fest, daß hier keine klobigen Bauernhäuser mehr stehen, sondern meist Schuppen mit hellen Metalldächern.

Um 14:30 Uhr sind wir in Aarhus. Unser Lehrer gibt unsere Koffer auf, wobei er einfach deutsch zu sprechen anfängt. Man versteht ihn prompt. Erst langsam gewöhnen wir anderen uns daran, die Dänen immer sofort auf deutsch anzureden. Mehrmals hörte ich von einigen: Man kommt sich gar nicht so recht wie im Ausland vor.

B15 Aarhus De Gamle By

Mit Hilfe eines Stadtplanes schlagen wir uns zur "Gamle By" durch. Dort hält Lang einen Vortrag über die Stadt. 54 Gebäude vergegenwärtigen 400 Jahre der Entwicklung dänischer Stadtkultur!

B21 Aarhus Klaus auf Schleichwegen

Auf dem weiteren Weg durch die Stadt gabelten wir den zweiten beliebten Begriff auf. Knallerter heißen auf dänisch die Mopeds. Wir kommen am Dom vorbei und erreichen dann den Hafen von Aarhus. Zur Jugendherberge fahren wir mit der Straßenbahn hinaus. In unserem Wagen fanden wir einen sehr netten Schaffner, der uns gleich einige Worte aus Rohbocks Vokabelheft in dänisch vorlas. Natürlich lag die Jugendherberge dann einigermaßen hoch, jedoch auch weit. Das Schönste: Das Essen für uns war prompt mittags in der Stadt bestellt worden. Wir mußten also wieder hinein. Doch zuerst einmal bezogen wir unsere Zimmer, wobei Herr Koop jedoch zuerst kein Bett fand. Die Jugendherberge schien von zwei Mädchen geführt zu werden, weshalb sich auch einer Sorgen um unser Frühstück machte, denn: Hier geht's wohl erst abends um elf Uhr los, ist nicht etwa dann zu.

Dann machten wir uns zu dem Restaurant auf. In der Nähe der Jugendherberge, wie man Burkhard geschrieben hatte. In der Nähe der Jugendherberge entpuppte sich als 30 Minuten mit der Straßenbahn zu fahren. Dafür aber schmeckte es ganz gut, wenn wir auch etwas mehr fürs Geld erwartet hatten. Sollten wir uns im Wasser, das wir bekamen, die Hände waschen oder war es zum Trinken gedacht? Als die Kekse, die es zur Suppe gab, abgeholt wurden, nahm sich einer von uns noch schnell einen Keks aus dem Korb. Man sieht, wie hungrig wir waren. Hinterher trennten wir uns und sahen uns Aarhus von außen und innen an.

B13 Aarhus Innenstadt

 

B19 Anglerglueck

Der gemeinsame Eindruck aller war wohl, daß Aarhus, obwohl kleiner als Braunschweig, doch großstädtischer wirkte, schon allein der vielen Reklamen wegen. In unserer Gruppe trafen wir spät abends einige Jungen mit Beatlefrisur. Es stellte sich prompt heraus, daß es sich um Deutsche handelte! Widrige Umstände verhinderten ein pünktliches Erscheinen von Hans-Peter und Horst. Diese beiden Mädchen brachten sie am nächsten Morgen auch auf den Bahnhof.