Tag 9, 27. Juni 1964

Aufstehen und Frühstück verlaufen wie gewöhnlich. Bis 10.15 Uhr haben wir freien Ausgang, dann wollen wir uns vor der Brauerei Tuborg treffen. Pünktlich - mit 15 Minuten Verspätung - treffen auch die letzten beiden vor der Brauerei ein: "Uns ist die Straßenbahn vor der Nase weggefahren".

Leider wird unsere Gruppe von einer älteren Berliner Großschnauze vergrößert. Diese hat sich bereits durch die Carlsberg Brauerei getrunken und will sich nun noch den Rest geben, bzw. holen. Als er Herrn Kickerrnann erblickt, fragt er in seiner bescheidenen Berliner Art: "Wo habt ihr denn diesen kleenen Beatle her?"

Nach den interessanten Rundgang durch die Hallen näherten wir uns dem Höhepunkt der Besichtigung, der Kantine. Schon von fern empfing uns ein feuchtfröhlicher Singsang. Erstaunlich war der große Anteil Frauen, die den Männern in nichts nachstanden. Die Tische waren bereits so von leeren Flaschen überfüllt, daß man Glas und Aschenbecher in der Hand halten mußte. Die Bierdeckel dienten nur als Souvenir. Verständlicherweise wies Herr Koop darauf hin, daß keiner mehr als drei Flaschen Bier trinken solle. Komischerweise behaupteten hinterher einige, es auf fünf gebracht zu haben.

Gegen 12:30 Uhr fuhren wir in Richtung Langelinie bis zum S-Bahnhof Østerport. Von dort aus legten wir den Rest des Weges zu Fuß zurück. Am Ufer entlang bummelten wir bis zum Yachthafen. Dort legten wir eine kleine Erholungspause ein. Zwei Klassenkameraden wurden von der Besatzung eines Hamburger Kajütbootes zum Schweinebratenessen eingeladen. Dummerweise wurde diese günstige Ge1egenheit ausgeschlagen.

B57 Hafenrundfahrt

Kurz nach 14 Uhr bewunderten wir die wieder zum Leben erweckte Meerjungfrau, diesmal von der Landseite. Anschließend gingen wir weiter zum Freiheitsmuseum. Auch das nahmen wir noch mit. Ganz in der Nähe befindet sich ein großer Springbrunnen. Einige warfen ein Geldstück hinein, in der Hoffnung, bald wieder in diese wunderbare Stadt zu kommen. Während wir uns langsam der Innenstadt nähern, waren drei etwas vorausgelaufen und schlugen einen falschen Weg ein. Auf unsere Rufe hin kehrten zwei von ihnen zurück. Der dritte jedoch ließ sich nicht stören und winkte in seiner bekannten lässigen, weltmännischen Art leutselig zurück, Einige vermuteten, daß er wohl einen Sonnenstich abbekommen habe. (Es war wirklich außerordentlich warm).

B37 Rathausvorplatz Kopenhagen

Gegen 16 Uhr trafen wir auf dem Rathausplatz ein, wo wir auf einer Bank auch unser verlorenes Schaf wiederfanden, Was er sich denn so dabei gedacht habe? - Ja, meine Füße taten so weh! -

Bis 21 Uhr bekamen wir nun Urlaub. Ab zum Essen! Ins ABC! Brav, wie wir nun einmal sind, waren wir alle bis auf eine unlöbliche Ausnahme um 21 Uhr in der Jugendherberge. 10 Minuten später waren wir komplett. Um 22.20 Uhr gingen alle zu Bett, Punkt 23 Uhr erlosch für uns zum letzten Mal das Licht.